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Was passiert gerade mit den Meeren?

Aktualisiert: 24. Aug. 2022

In Zeiten politischer und sozialer Veränderungen hören wir in den Medien nur bedingt vom Klimawandel oder der Verschmutzung der Weltmeere.



Das Meer ertrinkt im Abfall

Jedes Jahr gelangen rund neun Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Ozeane. Rund 20% des Mülls stammt von Schiffen, der Rest gelangt vom Festland über Abwasserkanäle und Flüsse, durch Windverwehung oder Eintrag über die Strände ins Meer.

Plastik ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Kunststoffe sind zum Fluch für den Planeten geworden, da sie völlig unsachgemäss eingesetzt werden. Es ist Unsinn, ein Material, das Jahrhunderte überdauert, für Einwegprodukte zu nutzen. Plastiktüten – beim täglichen Einkauf für viele noch immer eine Selbstverständlichkeit – werden innert durchschnittlich 25 Minuten zu Müll.

Meeresströmungen tragen das schwimmende Treibgut an entlegenste Orte. Zivilisationsmüll ist mittlerweile omnipräsent. Er findet sich an einsamen Stränden genauso wie am Meeresgrund der Antarktis wieder.

Plastikabfall entsteht auch dort, wo wir ihn nicht vermuten: Kosmetikhersteller verstärken die Reinigungswirkung von Zahnpasten, Duschgels oder Peelingprodukten durch Beimengung kleinster Kunststoffkügelchen, sogenanntem Mikroplastik. Die winzigen Partikel passieren Kläranlagen ungehindert und gelangen über die Flüsse ins Meer.


Es wird ein toxischer Cocktail freigesetzt

Auch größere Plastikteile zerfallen unter Einwirkung von Sonne und Salzwasser zu Mikropartikeln. Dabei wird der toxische Cocktail freigesetzt, mit dem sie angereichert sind, darunter das hormonaktive und nervenschädigende Bisphenol A, oder das krebserregende Styrol. Gleichzeitig absorbieren Plastikpartikel aus der Umgebung organische Schadstoffe wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) oder das Insektizid DDT. Die Konzentration solch gefährlicher Substanzen ist in Kunststoffpartikeln oft millionenfach höher, als im sie umgebenden Wasser.


Fatale Folgen für Tier und Mensch


Die schadstoffreichen Mikropartikel werden von Meerestieren, die ihre Nahrung aus dem Wasser filtern, aufgenommen – von kleinsten Lebewesen genauso wie von großen Walen. Die Toxine schaden den Tieren und gelangen über die marine Nahrungskette auch bis zu uns Menschen. Anders als hierzulande, wo wir unsere Nahrung aus einem reichhaltigen Angebot wählen können, sind die Bewohner von Entwicklungsländern auf Proteine aus dem Meer angewiesen und durch den Schadstoffgehalt in Meerestieren besonders gefährdet.


Auf schreckliche Art verenden Meerestiere, die größere Plastikteile mit Nahrung verwechseln. Unverdaulicher Müll verstopft ihren Verdauungstrakt. Die Tiere werden immer schwächer und verhungern schließlich mit einem Magen voller Kunststoffe.

Treibender Plastik wird auch zur tödlichen Falle, wenn sich junge Meerestiere in Kunststoffteilen verheddern, die sie langsam erdrosseln, während sie heranwachsen. Ausgewachsene Tiere ertrinken oft elend, weil ihre Flossen durch Schnüre regelrecht gefesselt werden.

Die Zahlen sind gravierend: Hunderttausende Delphine, Wale, Robben, Schildkröten und sogar Eisbären fallen dem Plastikmüll zum Opfer; die Zahl der verendeten Seevögel geht in die Millionen. Hält der aktuelle Trend der Vermüllung ungebremst an, wird bis zum Jahr 2050 das Gewicht des Plastikmülls, der im Meer treibt, jenes der Fische übersteigen, die darin leben.

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